Stadtplanung und Nachhaltige Entwicklung

Ziel einer nachhaltigen Stadt- und Verkehrsplanung aus Sicht des Vereins "Bewahrt die Bergstadt"

Bei den Zielen der Stadtentwicklung handelt es sich um komplexe und teilweise widersprüchliche Anforderungen, deren Allgemeinnutzen im demokratischen Diskurs abgewogen und umgesetzt werden müssen.

Unser Verein unterstützt die Weiterentwicklung der Stadt Bamberg, so dass einerseits die Lebensqualität der Bewohner weiter verbessert wird, dabei aber auch die langfristige Bewahrung des übernommenen Weltkulturerbes und die wirtschaftliche Stabilität sichergestellt bleiben.

Eine sinnvolle Leitlinie bei anstehenden Entscheidungen zur Stadtentwicklung ist die im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedete Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklungund deren 17 Ziele.

Wie deren Umsetzung in den Städten und damit auch in unserer Stadt begleitet werden kann, hat die Bertelsmann-Stiftung untersucht und in diesem lesenswerten Dokument beschrieben.

Da Mobilität und Verkehr im Zusammenleben der Bürger eine wesentliche Rolle spielen, hat der Deutsche Städtetag im  Jahr 2018 sein Positionspapier "Nachhaltige Mobilität für alle - Agenda für eine Verkehrswende aus kommunaler Sicht" veröffentlicht. Möglicherweise haben sogar Repräsentanten aus Bamberg zu dessen Inhalten beigetragen. Die Lektüre des Papier sei schon deshalb nicht nur den Bamberger Verkehrsexperten und -politikern ans Herz gelegt!

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat in seinem Hauptgutachten 2016 "Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte" den globalen Trend der Bevölkerung in die Städte untersucht und stellt fest: "Ein „Weiter so wie bisher" würde ohne gestaltende Urbanisierungspolitik zu einer nicht-nachhaltigen Welt-Städte-Gesellschaft führen. Nur wenn Städte und Stadtgesellschaften ausreichend handlungsfähig werden, können sie ihre Kraft für eine nachhaltige Entwicklung entfalten: In den Städten wird sich entscheiden, ob die Große Transformation zur Nachhaltigkeit gelingt."

Auch bei vielen Bambergern rückt immer mehr ins Bewusstsein, dass unsere Stadt von den Folgen der Klimaerwärmung durch CO2-Emissionen nicht verschont bleiben wird. Die Konzentration des Kohlendioxids in der Luft steigt kontinuierlich an - jeder kann dies mit einem einfachen Messgerät vor der eigenen Haustür nachmessen. Der weltweite Mittelwert liegt derzeit bei etwa 400 ppm, also etwa bei 0,4%. Einen Eindruck über die jüngste Entwicklung gibt ein Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2017.

Die Klimaforscher haben ausgerechnet, wieviel Kohlendioxid noch in der Atmosphäre ausgelagert werden kann, um die von Menschen verursachte Erhöhung der mittleren Temperatur auf 1,5°C zu begrenzen: es sind etwa 420 Milliarden Tonnen für heute lebende und künftige Generationen. Diese auf jeden derzeit lebenden Menschen umgerechneten rund 55 Tonnen sind also zwischen uns und unseren Nachfahren gerecht aufzuteilen.

Seit Ende Februar 2019 gibt es nun einen Referentenentwurf eines Klimaschutzgesetzes aus dem Bundesumweltministerium. Er findet sich unter anderem als Link in einem Artikel auf der Webseite klimareporter.de  und in der Eingangspost der betroffenen Ministerien. Es gibt diesen konkrete (!) jährliche Grenzwerte in Millionen Tonnen an zulässigen CO2-Emissionen zunächst bis ins Jahr 2030 vor, deren Einhaltung nun von den Ministerien mit geeigneten Maßnahmen z.B. im Verkehr sichergestellt werden müssen.

Dass dies ein schwieriges Unterfangen ist, beschreibt auch ein gerade erschienener gemeinsamer Bericht "U.S. Climate Report Warns of Damaged Environment and Shrinking Economy" von 13 amerikanischen Behörden sowie die New York Times in einem am 24.11.2018 erschienenen Artikel "The World Needs to Quit Coal. Why Is It So Hard?".

Die Fakten liegen also auf dem Tisch, nun müssen wir handeln, auch in Bamberg! Keine leichte Aufgabe, Kreativität und Mut zum Wandel sind gefragt.

Behalten wir alle unseren derzeitigen Verbrauch fossiler Brennstoffe bei wie bisher, ist unser aller Budget in etwa 10 Jahren aufgebraucht.
Diesen Zusammenhang hat das auf dem Berliner Euref-Campus beheimatete Mercator Research Institute  mit seiner CO2-Uhr anschaulich dargestellt.

Weitere Hintergründe für unsere Sichtweise einer zukunftssicheren Stadt- und Verkehrsplanung finden Sie auch auf den Seiten des Deutschen Instituts für Urbanistik.

Wenn das Grün aus den Städten verschwindet

"Menschen leben zunehmend dicht an dicht, Natur und offener Raum weichen einer enger werdenden Stadt. Lebenswert ist diese nicht unbedingt."

In einem lesenswerten Gastbeitrag, erschienen auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung am 7.8.2019, schreibt Prof. Wolfgang W. Weisser über das Spannungsfeld zwischen Stadtgrün und dem Wunsch vieler Stadtplaner zur Nachverdichtung zu Lasten innerstädtischer Grünflächen.

Dies ist auch in Bamberg ein Thema für die Stadtplanung, und es gibt hierfür keine einfachen Antworten bzw. Lösungen. Ein Denkanstoß auf unserer Webseite ist deshalb angebracht. Denken sie mit!